BESCHREIBUNG
Wanderung auf den Marzola (Rautkofel): Vom Bailoni-Biwak zu atemberaubenden 360°-Panoramen.
Geografische Lage
Der Marzola (Rautkofel) – Nordgipfel 1738 m, Südgipfel 1736 m – ist der Berg, der das Etschtal (Adige-Tal) vom Suganertal (Valsugana) im östlichen Trentino trennt. Das Massiv erstreckt sich über die Gemeinden Trient (Trento), Persen im Suganertal (Pergine Valsugana) und Walzburg (Vigolo Vattaro) in der Provinz Trient.
Trotz seiner bescheidenen Höhe bietet der Marzola aufgrund seiner strategischen Lage zwischen dem Talkessel von Trient und dem oberen Suganertal ein außergewöhnliches 360°-Panorama ins Herz der Ostalpen. An seinen Hängen verlaufen wichtige Verkehrswege, darunter die Valsugana-Bahn, die Trient mit Venedig verbindet.
Die Wanderung
Die Route auf den Marzola ist sowohl im Sommer als auch im Winter begehbar, jedoch aufgrund des Gesamthöhenunterschieds anspruchsvoll und erfordert eine gute körperliche Verfassung. Die größte Schwierigkeit liegt auf den Abstiegswegen Nr. 438 und 440, die exponierte Abschnitte durchqueren und zwei mit Drahtseilen gesicherte Passagen aufweisen. Bei Schnee oder Eis ist die Sicherheit des Abstiegs sorgfältig zu prüfen; die umsichtige Alternative ist der Rückweg auf dem gleichen Anstiegsweg.
Landschaftlich bietet der Marzola ein außergewöhnliches 360°-Panorama, das sich über einen Großteil der Trentiner Berggruppen erstreckt. Vom Gipfel aus blickt man auf die Brenta-Gruppe, die Lagorai-Kette, den Carè Alto, den Stivo, das Baldo-Massiv, den Bondone, die Vigolana-Gruppe, die Paganella und den Pasubio. Nach Osten öffnet sich der Blick auf das obere Suganertal und die Seen von Caldonazzo und Levico. Für alle, die die alpine Skyline nicht kennen, wurde auf dem Südgipfel ein Aussichtspunkt mit Orientierungstafeln installiert, die das Erkennen der umliegenden Gipfel erleichtern.
Das Raffaele-Bailoni-Biwak ist stets geöffnet, unbewirtschaftet und verfügt über 6 Schlafplätze auf einer Empore, einen Holzofen und eine Kochnische.
Geschichte und Wissenswertes
Während des Ersten Weltkriegs war der Marzola ein entscheidendes Element im Verteidigungssystem der Stadt Trient. Das Massiv sollte gemeinsam mit den darunter in Valsorda positionierten Forts Brusaferro und Doss Fornas italienische Vorstöße aus dem Suganertal blockieren. Der gewaltige Berg schützte die Stadt zudem vor möglichem Beschuss durch italienische Stellungen am Campomolon, südlich der Hochebenen von Folgaria und Lavarone.
Der defensive Ausbau des Marzola erreichte seinen Höhepunkt zwischen September 1914 und Mai 1915, als die ausgedehnte befestigte Linie Chegul-Marzola-Maranza entstand: 19 Kilometer Schützengräben, etwa 300 in den Fels getriebene Stollen, 100.000 Quadratmeter Drahthindernisse und zahlreiche Artilleriestellungen.
Trotz der gewaltigen Verteidigungsanlagen wurde der Marzola nie angegriffen. Dennoch sind entlang der Wege zahlreiche Zeugnisse jener Jahre noch sichtbar: Schützengräben, Stollen (die „Stoi“ des Chegul), Stellungen und Mauerreste von Befestigungen, die Natur und Zeit nur teilweise getilgt haben.
Das Raffaele-Bailoni-Biwak verdankt seinen Namen einer tragischen Geschichte. Die Hütte wurde in den frühen 1960er-Jahren im Rahmen des „Fanfani-Gesetzes“ errichtet, einer Maßnahme zur Förderung der Wiederaufforstung der Trentiner Berge durch Arbeitsbeschaffungsprogramme. Raffaele Bailoni war einer der mit dem Bau beauftragten Arbeiter: Er starb tragisch, als er mit seinem Traktor auf dem Weg zur Baustelle verunglückte. Die trotz des Unfalls fertiggestellte Hütte trägt seinen Namen zur Erinnerung an sein Opfer.
ROUTE
Vom Parkplatz (822 m) steigt man auf einer Schotterstraße der Markierung Nr. 429 folgend auf. Auf der Höhe der Ortschaft Mas del Pasolot (961 m) geht die Schotterstraße in einen Weg über, der weiterhin durch den Wald bergauf führt. In der Nähe der Maranza-Hütte, kurz bevor man sie erreicht, zweigt rechts ein Weg zur Aussichtsplattform über dem Etschtal ab.
Von der Maranza-Hütte (1080 m) nimmt man die Markierung Nr. 412 in Richtung Bailoni-Biwak. Der Weg steigt mit häufigen Kehren an. Nach etwa eineinhalb Stunden Gehzeit erreicht man das Bailoni-Biwak (1623 m).
Vom Biwak aus folgt man weiter dem Weg Nr. 412, um in etwa 20 Minuten den Südgipfel des Marzola (1736 m) zu erreichen. Der Weg verlässt allmählich den Wald und öffnet sich zu Gipfelwiesen.
Nach der Rückkehr zum Biwak setzt man die Runde im Abstieg fort. Der Weg führt zunächst hinab zum Prà Grando (1590 m), wo man den Weg Nr. 438 einschlägt. Anschließend endet in der Ortschaft Prà Picol (1390 m) der Weg Nr. 438 und der Weg Nr. 440 beginnt, bekannt als „Croz de le Ore“. Letzterer ist ein gesicherter Steig mit zwei kurzen, mit Drahtseil versicherten Abschnitten und einigen exponierten Passagen, der durch alte Kriegssteige und Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg führt. Der Weg Nr. 440 führt schließlich zurück zum Ausgangspunkt und schließt so die Ringwanderung.
AUSFLUGSDATUM
8. Februar 2026
START DER TOUR
Walzburg (Vigolo Vattaro)
EINKEHRMÖGLICHKEIT
Keine im Winter
TIPP DES AUTORS
Vor der Abfahrt stets den Lawinenlagebericht konsultieren.
SICHERHEITSHINWEISE
Die Stabilität der Schneedecke unterliegt schnellen und unvorhersehbaren Veränderungen. Für Ihre Sicherheit konsultieren Sie stets den Lawinenlagebericht, da die Schneedecke raschen Veränderungen unterworfen ist; informieren Sie sich bei den zuständigen örtlichen Behörden. Unsere GPX-Tracks sind nur Richtwerte, d.h. die Route wurde unter den besten Schnee- und Wetterbedingungen jenes Tages durchgeführt. Beurteilen Sie die Situation daher stets vor Ort selbst.
Denken Sie außerdem daran, die Route entsprechend Ihrer körperlichen Fähigkeiten, Ihres Trainingszustands und Ihrer Ausrüstung zu wählen.
Es ist ratsam, jemandem Ihre geplante Route mitzuteilen.
Die Notrufnummer lautet 112.
AUSRÜSTUNG
Es wird empfohlen, geeignete Ausrüstung mitzuführen: Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät), Schaufel und Sonde, Schneeschuhe, Teleskopstöcke, Grödeln (Steigeisen), Skibrille, Sonnencreme, Trekkingstiefel, Winterkleidung, Handschuhe, Mütze, Rucksack mit warmen Getränken.
KARTENEMPFEHLUNGEN DES AUTORS
Tabacco 062 Hochfläche von Piné - Cembra- und Fersental (Altopiano di Piné - Valli di Cembra e Dei Mocheni)
INTERESSANTE LINKS
http://www.trentinograndeguerra.it/context.jsp?area=101&ID_LINK=250&id_context=1122
ANFAHRT
A22 Ausfahrt Trient Süd (Trento Sud): am ersten Kreisverkehr rechts abbiegen. Am zweiten Kreisverkehr die 4. Ausfahrt in die Via Marinai d'Italia nehmen, am dritten Kreisverkehr die 3. Ausfahrt in die Via Edmund Mach nehmen. Weiter bergauf fahren bis zur Einmündung in die SS349. In Walzburg (Vigolo Vattaro) links abbiegen – an der Kreuzung steht ein großes Steinkreuz – in die Via Fontanelle und 1,9 km bergauf fahren bis zum Parkplatz.
PARKPLATZ
Kostenlos am Ende der Via Fontanelle
GPS-Koordinaten: 46.009376, 11.176700